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Rojava Definitiver Zusammenbruch eines weiteren nationalen Mythos |
Eine Blitzoperation: Innerhalb von 12 Tagen haben HTS-Kräfte unter dem Kommando von AlSharaa, dem neuen Präsidenten Syriens, die SDF dazu gezwungen, auf ihre Autonomie zu verzichten und ein drakonisches Abkommen zu unterzeichnen. Gegründet im Jahr 2011 und numerisch und politisch dominiert von der YPG (Volksverteidigungseinheiten), war die SDF die wichtigste kurdische Miliz und der bewaffnete Flügel der autonomen Verwaltung der fruchtbaren Region Rojava. Nach dem Beginn der Kämpfe im frühen Januar wurde am 18. ein Waffenstillstandsabkommen erreicht, das die Machtverteilung im Nordosten Syriens radikal veränderte.
Für die Kurden ist dies mehr eine Kapitulation als ein Kompromiss, der eine de-facto-Auflösung der SDF bedeutet, deren Integration als Einzelpersonen in die syrische Armee und die Rückgabe der Gebiete an den Staat, die sie seit 2011 kontrolliert hatten und nun von der syrischen Armee besetzt werden – darunter Aleppo, Raqqa und Deir ez-Zor an der Grenze zur Region Rojava.
Der Fall von Rojava markiert das Ende der kurdischen Autonomie in einer ölreichen Region, über die verschiedene ethnische Gruppen ihre Kontrolle ausüben zu versuchen. Wie jede andere Grenzstreitigkeit innerhalb des anti-historischen Regimes des Kapitals bleibt dieser Konflikt einer zwischen Fraktionen für die Kontrolle über Energierohstoffe und deren Verkauf. Des Weiteren ist diese Region, als fruchtbarste Syriens, fundamental für die Produktion von Getreide und Baumwolle.
Seine Wirtschaft – entgegen der Überzeugungen linker Einfaltspinsel und denjenigen, die der Religion des Widerstands anhängen und die hier und da in der Welt verstreute Volksdemokratien und Sozialismen vergöttern – ist durch kapitalistische Verhältnisse charakterisiert. Die Industrien, verwaltet vom Staat nach marktwirtschaftlichen und Lohnkriterien, haben sich hauptsächlich aufgrund der Öl- und Gasreserven entwickelt, mit denen die SDF selbst mit dem alten AssadRegime handelte, das erst vor einem Jahr gefallen ist. Geschätzt handelt es sich hierbei um mehrere hundert Millionen Dollar jährlich, ein Geschäft, das kurdische Kapitalisten Anfang 2025 mit der neuen Regierung in Damaskus in Erwägung zogen.
Was für eine sozialistische Revolution in Rojava! Die törichten westlichen Nationalkommunisten brauchen nur ein paar staatliche Industrien und Kooperativen innerhalb des Kapitalismus und sofort sehen sie rot!
Der Kampf um die Kontrolle dieser Gebiete ist nicht für die «Verteidigung des Sozialismus und der Revolution», sondern nur eine Streitigkeit zwischen Kapitalisten um die Kontrolle von Märkten und Rohstoffen in einer historischen Phase, in der nationale Befreiungskämpfe keine Daseinsberechtigung mehr haben. Sogar für die Kurden, wie in früheren Artikeln gezeigt wurde (siehe Ausgabe Nr. 65 «Self-liquidation of the PKK sanctions anti-historical national liberation struggles», nur in englischer Sprache verfügbar), haben Konflikte um die Anerkennung oder Verteidigung autonomer Nationalstaaten ihren Höhepunkt überschritten, so sehr, dass sie in die umfassenderen Auseinandersetzungen zwischen den grossen Imperialisten über die Aufteilung ganzer Kontinente und die Kontrolle der Märkte hineingezogen werden.
Es ist kein Zufall, dass sich sowohl die palästinensische als auch die kurdische Bourgeoisie denselben kapitalistischen Mächten unterworfen haben, die sie als Nationalitäten unterdrücken, sodass wir Zeugen mehrerer Kurzschlüsse sind: Katar und die Türkei, die die Hamas in Gaza finanzieren, sind Verbündete der USA, die wiederum Kontrolle über Israel ausüben. Die Kurden, historische Feinde der Türken, waren eher auf den Schutz der USA angewiesen als auf die Mobilisierung ihrer eigenen unteren Schichten sowie auf Israel.
Weiter haben kurdische Nationalisten selbst wiederholt ihre Absicht verkündet, als Unterdrücker aufzutreten, und dies auch in die Praxis umgesetzt: Der Führer der Partei der Demokratischen Union (PYD) hat offen über die Vertreibung der Araber von den kurdisch dominierten Regionen gesprochen. Seine Regierung hat zudem das Feuer auf Demonstranten in der kurdischen Stadt Amdude eröffnet und Dissidenten gefoltert. Armenier und Assyrer haben die Indoktrination in den Kult um Öcalan im Bildungssystem der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (AANES) offen denunziert.
In diesem Gewirr von Interessen und Allianzen, wo der Freund des einen der Feind des anderen und der Verbündete von heute das Opfer von morgen ist, gibt es für die Arbeiter keine Aussicht auf Fortschritt in diesen Bereichen, ausser dem Übergang von einem Unterdrücker zum nächsten. Die kurdischen und palästinensischen Proletarier müssen ihre Klassenautonomie zurückgewinnen und sich organisieren, um unabhängig von ihrer Bourgeoisie zu kämpfen – nicht für eine unmögliche nationale Befreiung, sondern für die kommunistische Revolution.
Die Befreiung von Nationen mit ihren Staatsbekenntnissen hat bereits stattgefunden. Der Kapitalismus verspricht heute nur noch reaktionäre Kriege. Der einzige und wahre Kampf um die Befreiung der Palästinenser, Kurden, Juden, Araber und Arbeiter weltweit liegt im Sturz des Kapitalismus, der die Ursache für alle Aufruhre ist, deren Zeugen wir heute sind. Diese historische Aufgabe kann nur gelingen, wenn es den Arbeitern gelingt, sich zu vereinigen und sich unter der Führung echter Klassengewerkschaften zu organisieren, um in immer breiteren Wirtschaftsstreiks ihre Lebensbedingungen zu verteidigen, und unter der Führung ihrer echten revolutionären Partei den langsamen, mühsamen, aber unabdingbaren Aufbau des wahren Kommunismus von morgen voranzutreiben.